Lungenkrebs behandeln
Therapiemanagement bei Lungenkrebs
Bei der Behandlung von Lungenkrebs geht es nicht nur darum, die richtige Therapie zu wählen, sondern auch darum, diese dann richtig zu managen. Dies hat beispielsweise etwas mit dem Umgang mit möglichen Nebenwirkungen der Therapie zu tun. Denn bei einer Krebstherapie können verschiedene Nebenwirkungen und Begleiterscheinungen auftreten, von denen einige mit der Tumorerkrankung selbst assoziiert sind, und/oder den Medikamenten oder weiteren Therapieformen in Verbindung stehen, die bei der Behandlung der Erkrankung zum Einsatz kommen können. Hierbei unterscheiden Fachleute wiederum zwischen zwei Arten: Akutfolgen sind Nebenwirkungen, die unmittelbar während der Behandlung auftreten und danach wieder abklingen. Chronische Folgen hingegen sind dauerhaft und können auch nach Behandlungsende bestehen bleiben.
Mögliche Nebenwirkungen frühzeitig zu erkennen und ihnen effektiv begegnen zu können, kann einen großen Einfluss auf ihren Verlauf und die Wirksamkeit der Therapie haben. Indem mögliche Nebenwirkungen durch ein effektives Therapiemanagement bekämpft oder gelindert werden, können bei guter Verträglichkeit die Standarddosen für deine Therapie gegeben werden und mögliche Dosis-Reduktionen sowie Therapie-Unterbrechungen und -Abbrüche vermieden werden.
Daher ist eine enge Zusammenarbeit zwischen dir und deinem Behandlungsteam wichtig. Denn wenn du die wichtigsten Symptome zur Erkennung möglicher Nebenwirkungen bereits selbst kennst, kannst du einen wichtigen Beitrag zu deiner Behandlung leisten. Ohnehin kann dein Verhalten einen großen Unterschied machen. So ist die Einhaltung der Therapietreue (Compliance) während der Behandlung und der Nachsorge von großer Wichtigkeit. Damit ist gemeint, dass du den Anweisungen deines Behandlungsteams, was die Einnahme von Arzneimitteln und das Erscheinen zu Therapie- und Nachsorgeterminen betrifft, so gut es geht folgst.
Nebenwirkungen – warum treten sie auf?
- Medikamente wirken nicht nur an ihrem Zielort, im Fall von Lungenkrebs also nicht ausschließlich an der Krebszelle.
- Die meisten Medikamente haben mehrere Effekte. In der Regel ist jedoch nur die therapeutische Wirkung – also die Behandlung der Erkrankung – gewünscht.
- Je nach Wirkweise des Medikaments können die Nebenwirkungen unterschiedlich ausfallen.
Nebenwirkungen erkennen und behandeln
Umgang mit Nebenwirkungen
Bei einigen Nebenwirkungen lässt sich gegebenenfalls auch durch die Anwendung einfacher Tipps & Tricks zuhause eine Verbesserung des eigenen Wohlbefindens erreichen. Hier informieren wir dich über den Umgang mit möglichen Begleiterscheinungen und Nebenwirkungen, die insbesondere im Rahmen einer Krebsbehandlung auftreten können. Eine vollständige Auflistung aller bekannten Nebenwirkungen findest du im Beipackzettel deines Medikaments.
Die meisten Medikamente, die dir im Rahmen der Krebsbehandlung verabreicht werden, können auf den Verdauungstrakt schlagen. Durchfall, Übelkeit und Völlegefühl sind dann häufig die Folgen. Durchfall und andere Verdauungsprobleme treten grade bei Chemotherapien, zielgerichteten Therapien und Immuntherapien häufig auf.
Achtung:
Bei starkem, über mehrere Tage anhaltenden Durchfall sollte umgehend ärztlicher Rat einholt werden!
Das kannst du bei Durchfall tun:1
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Nimm bei akutem Durchfall zunächst rein flüssige, später breiige Nahrung und dann erst wieder feste Kost zu dir, um deine Verdauungsorgane zu entlasten.
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Setze auf mild gewürzte sowie stopfende Speisen wie Reis, geriebenen Apfel, Banane oder Heidelbeeren, Wasser oder bittere Schokolade.
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Achte auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr (mindestens 2 Liter pro Tag), insbesondere bei starken Durchfällen. Trinke Wasser oder beispielswiese Fenchel-, Kümmel- oder Pfefferminztee oder Bouillon. Eventuell kannst du auch auf spezielle Elektrolytlösungen zurückgreifen.
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Vermeiden solltest du kalte Getränke, Alkohol, Kaffee, Kohlensäure, ballaststoffreiche Kost und blähende Gemüsesorten. Auch die meisten Milchprodukte können Durchfall verstärken.
Verstopfung kann durch die Erkrankung und bestimmte Medikamente, wie stark wirksame Schmerzmittel, hervorgerufen werden und wird von Betroffenen oft als sehr störend empfunden.1
Einige einfach anzuwendende Tipps können, bei täglicher Anwendung, gegen Verstopfung helfen. Bei anhaltenden Beschwerden solltest du dich an deine Ärztin oder deinen Arzt wenden, um zu beraten, ob der Einsatz abführender Medikamente für dich in Frage kommt.1
Das kannst du bei Verstopfung tun:1
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Bewege dich ausreichend, Verstopfung kann auch durch zu wenig Bewegung entstehen oder dadurch zusätzlich gefördert werden.1
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Trinke reichlich Wasser, mindestens zwei Liter pro Tag.
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Nimm mehr Ballaststoffe, wie Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte, Gemüse und Salat als Rohkost, sowie frisches Obst zu dir.1
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Iss Lebensmittel, die milchsauer vergoren sind, wie Joghurt und Sauerkraut. Fang mit kleinen Mengen Sauerkraut an und steigere die Menge langsam, falls du es gut verträgst.1
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Es gibt spezielle Nahrungsmittel, die gut gegen Verstopfungen wirken, wie Leinsamenschrot, indischer Flohsamen oder Milchzucker. Auch hier gilt: Fang mit kleinen Mengen an und steigere die Zufuhr langsam, um Blähungen und Bauchschmerzen zu vermeiden.1
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Verzichte auf stopfende Lebensmittel wie Kakao, bittere Schokolade, Blaubeeren, geriebenen Apfel, pürierte Banane/Karotten oder schwarzen Tee, der lange gezogen hat.1
Es können Übelkeit und Erbrechen auftreten, insbesondere im Rahmen einer Chemotherapie, zielgerichteten Therapie, oder Immuntherapie.
Das kannst du bei Übelkeit und Erbrechen tun:1
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Iss viele kleine Mahlzeiten und zwischendurch trockene Lebensmittel, wie Zwieback oder Cracker, denn der Verzicht auf Essen verstärkt die Übelkeit.
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Greife zu leichter Kost, da diese nicht so schwer im Magen liegt wie Süßes oder Fettiges.
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Trinke Ingwerwasser, um Übelkeit vorzubeugen oder sie zu mildern. Übergieße dazu einfach ein etwa daumengroßes Stück frischen Ingwer mit kochendem Wasser und lass es ca. 10 Minuten ziehen.
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Vermeide strenge und langanhaltende Essensgerüche, lauwarme und kalte, sowie milde gewürzte Speisen sind geruchsärmer.
Bei Nebenwirkungen, die im Verdauungsapparat auftreten, kann einem schnell der Appetit vergehen. Gerade während und nach einer Krebstherapie ist es nicht immer einfach, eine gesunde Ernährung beizubehalten. Dabei braucht dein Körper in dieser Zeit viel Energie, die zugeführt werden muss, um einem Gewichts- und Kraftverlust vorzubeugen. Appetitlosigkeit ist eine Nebenwirkung, die besonders häufig durch die Behandlung mit einer Chemotherapie ausgelöst wird, kann aber auch bei einer zielgerichteten Therapie häufig auftreten.
Das kannst du bei Appetitlosigkeit tun:2,3
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Passe deine bisherigen Essensgewohnheiten an und iss, wann immer du Hunger hast!
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Essengerüche vermindern oft den Appetit! Achte während und nach dem Kochen auf eine gute Durchlüftung und halte Speisen bis kurz vor dem Verzehr abgedeckt.
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Nimm mehrere kleine Mahlzeiten, über den Tag verteilt und in Ruhe, ein.
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Halte stets einen kleinen Teller mit vorbereitetem Essen bereit, sodass du bei Aufkommen von Appetit schnell etwas zu essen zur Hand hast.
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Lege genügend Vorräte an, in Form von z.B. tiefgefrorenen, fertig zubereiteten Gerichten, die bei Bedarf schnell aufgetaut und verzehrt werden können.
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Probiere häufiger neue Rezepte und Gerichte aus und variiere die Zubereitungsformen, um dich abwechslungsreich zu ernähren.
Um dich bei einer ausgewogenen und unterstützenden Ernährung während oder nach einer Lungenkrebs Erkrankung zu unterstützen, haben wir hilfreiche Tipps und Rezepte in einer Ernährungsbroschüre für dich zusammengestellt:
Müdigkeit, Abgeschlagenheit und Antriebslosigkeit, damit sind viele Krebserkrankte während oder nach ihrer Erkrankung konfrontiert. Eine tumorbedingte Fatigue ist eine besonders ausgeprägte Erschöpfung, die sich nicht durch Schlaf oder Schonen bessern lässt.4 Aber auch die Krebsbehandlung ist für Betroffene mit einer hohen körperlichen Belastung verbunden und damit verbundener Erschöpfung assoziiert. Diese Nebenwirkung kann bei praktisch allen Behandlungsmethoden auftreten.
Das kannst du bei Müdigkeit, Erschöpfung und Abgeschlagenheit tun:1
Was sich gegen Müdigkeit und Erschöpfung oder gar Fatigue tun lässt, ist stark von der persönlichen Situation abhängig. Die Ursachen können vielfältig sein, daher gibt es keine pauschalen Tipps, die für alle Betroffenen gelten. Ein paar Tipps, die zu einer Verbesserung der Symptomatik bei Müdigkeit führen können, haben wir trotzdem für dich zusammengefasst:
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Schlafqualität erhalten: ein simpler Tipp mit großer Wirkung. Wer nicht gut schläft, zieht das Schlafdefizit durch den Tag. Achte auf ausreichenden, ruhigen und erholsamen Schlaf.
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Körperliche Aktivität statt Schonen: Regelmäßige Bewegung hilft gegen Erschöpfung und steigert die Leistungsfähigkeit. Besprich mit deiner behandelnden Ärztin oder deinem behandelnden Arzt, ob und welche körperlichen Aktivitäten für dich möglich sind.
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Suche dir bei Bedarf psychosoziale Unterstützung, wenn seelische und psychische Belastung deine Lebensqualität und Antrieb mindern.
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Sprich mit deiner behandelnden Ärztin oder deinem behandelnden Arzt über deine Symptome. Gegebenenfalls sind weitere Untersuchungen auf mögliche Begleiterscheinung, wie eine bisher nicht erkannte Schilddrüsenerkrankung, notwendig, um die Ursachen der Müdigkeit und Abgeschlagenheit auszumachen oder eine chronische Fatigue festzustellen und behandeln zu können.
Gerade zielgerichtete Therapien und Strahlentherapie können Nebenwirkungen verursachen, die Haut und Nägel betreffen. Die Haut kann trocken und rissig und die Nägel brüchig werden und sich entzünden.
So pflegst du deine Haut:
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Zur Vorbeugung von Hautreaktionen ist es gut, wenn du beruhigende, feuchtigkeitsspendende Cremes oder Lotionen anwendest:
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Achte auf eine schonende Reinigung mit parfümfreien Dusch- oder Badeölen.
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Für die Gesichtshaut sind Feuchtigkeitscremes ideal.
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Insbesondere die Hände und Füße solltest du gut eincremen, z.B. mit einer parfümfreien Fettcreme oder harnstoffhaltigen Salbe.
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Bei Hautausschlag kannst du desinfizierende und entfettende Reinigungsgele anwenden.
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Wenn deine Haut trocken, rissig oder schuppig ist, sollten du zu feuchtigkeitsspendenden oder sogar rückfettenden Pflegeprodukten greifen, die frei von Duftstoffen sind, damit deine Haut nicht zusätzlich gereizt wird.
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Was du vermeiden solltest: zu heißes Wasser, heftiges Trockenrubbeln, direkten Kontakt mit reizenden Stoffen wie Haushaltsreinigern und Säften von Zitrusfrüchten, direkte Sonneneinstrahlung, enge Kleidung, häufiges Händewaschen
Nagelreizungen gehören zu den häufigen Nebenwirkungen bei zielgerichteten Therapien. Wir geben Tipps, wie du brüchige Nägel oder ein entzündetes Nagelbett pflegen kannst.
So pflegst du deine Nagel:
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Bei einem entzündeten Nagelbett kannst du die Heilung mit lauwarmen, antibakteriellen Bädern mit Kernseife oder Povidon-Iod unterstützen.
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Ein Nagelbalsam kann pflegend und schützen wirken.
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Das Laufen in offenen Sandalen kann deinen Nägeln guttun (sofern es die Jahreszeit erlaubt).
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Trage keine engen Schuhe, die auf deine Zehen bzw. Nägel drücken.
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Schneide Finger- und Fußnägel nicht zu kurz und nicht „rund“, sondern gerade, sodass sie nicht einwachsen können.
Eine Entzündung der Mundschleimhaut, fachsprachlich auch Stomatitis genannt, kann häufig als Nebenwirkung im Rahmen von Chemotherapie, zielgerichteten Therapien und Immuntherapien auftreten. Möglicherweise ist dir der Begriff auch in allgemeinerer Form als Mukositis (Schleimhautentzündung) begegnet.
Krebsbehandlungen, wie eine Chemo- oder Strahlentherapie, zielen auf sich schnell teilende Zellen ab. Dazu gehören Krebszellen, aber auch die Zellen der Schleimhäute.5
Was du bei einer Stomatitis machen kannst:
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Achte schon vor Beginn einer Therapie auf eine regelmäßige und sorgfältige Mundhygiene und Zahnpflege. Auch während einer Behandlung solltest du soweit möglich weiterhin regelmäßig Zähne und Zahnzwischenräume reinigen.5
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Regelmäßige Untersuchung und Vorsorge zur Zahngesundheit durch die Zahnärztin oder den Zahnarzt.
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Nutze weiche Zahnbürsten, die du jeden Monat wechseln solltest, sowie milde, fluoridhaltige Zahnpasta.5
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Wurden bisher die Zahnzwischenräume nicht gereinigt, solltest du aufgrund der Gefahr von Zahnfleischblutungen damit nicht während einer Tumorbehandlung beginnen.5
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Nutze 4- bis 6-mal täglich Mundspülungen aus Wasser oder isotonischer Kochsalzlösung, verzichte anschließend für 30 Minuten auf Essen und Trinken.5
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Unbedingt vermeiden solltest du Rauchen und Alkohol sowie scharfe, säurehaltige und sehr heiße Speisen und Getränke. Auch scharfkantige oder sehr trockene Speisen können Schäden an der Mundschleimhaut bewirken.5
Husten ist das häufigste Symptom, unter dem Patientinnen und Patienten mit Lungenkrebs leiden.6
Die Art des Hustens kann dabei sehr unterschiedlicher Natur und Stärke sein und eine mögliche medikamentöse Behandlung muss entsprechend angepasst werden:
- Trockener Reizhusten: Deine Ärztin oder dein Arzt kann dir hustenstillende Medikamente wie Dihydrocodein oder Levodropropizin verschreiben.6
- Produktiver Husten: Bei Husten mit Schleimentwicklung und Auswurf können schleimlösende Mittel oder ein Feuchtinhalationsgerät mit entsprechenden Medikamenten Linderung verschaffen.6
Was du bei Husten machen kannst:
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Versuche ausreichend Wasser zu trinken und halte deine Schleimhaut befeuchtet.
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Bei trockenem Reizhusten können den Hustenreiz stillende Lutschtabletten oder Inhalationen Linderung verschaffen.
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Bei produktivem Husten können schleimlösende Tees helfen.
Achtung: Ein starker Bluthusten (Hämoptoe) kann lebensbedrohlich sein, weil Blut und geronnene Blutklumpen die Atemwege blockieren können. Das ist ein medizinischer Notfall, der im Krankenhaus behandelt werden muss.6
Fieber ist ein Symptom, das normalerweise in Zusammenhang mit einer Infektion auftritt, aber auch die Krebserkrankung selbst und bestimmte Medikamente können unabhängig von einer Infektion Fieber auslösen. Eine simple Messung der Körpertemperatur mit einem Fieber-Thermometer kann schnell und einfach Klarheit geben, ob du tatsächlich Fieber hast. Eine normale Körpertemperatur beträgt rund 37 Grad Celsius, ab etwa 38 Grad Celsius spricht man von Fieber, ab etwa 40 Grad von hohem Fieber. Ab einer Körpertemperatur von etwa 41,5 Grad Celsius kann Fieber auch lebensgefährlich werden.7
Wichtig:
Kontaktiere deine Ärztin oder deinen Arzt, wenn du unter einem Temperaturanstieg, ohne offensichtlich Ursache wie einer Infektion, leidest. Auch bei länger anhaltendem Fieber über 38 Grad Celsius sollte eine ärztliche Meinung eingeholt werden.7
Was du bei Fieber machen kannst:
Fieber ist in den meisten Fällen Teil eines natürlichen Abwehrprozesses des Körpers, um Infektionen zu bekämpfen. Leichtes Fieber muss daher nicht unbedingt behandelt werden und sollte nach Abklingen der ursächlichen Infektion in der Regel von selbst zurückgehen.7 Trotzdem sollte Fieber als Symptom ernst genommen werden und die Ursache festgestellt und behandelt werden. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, um Fieber zu behandeln:7
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Verabreichung fiebersenkender Medikamente oder von Medikamenten, die sich direkt gegen die Ursache des Fiebers richten. Bei einer bakteriellen Infektion können Antibiotika, bei einer Pilzinfektion Antimykotika und bei einigen Viruserkrankungen Virostatika gegeben werden.7
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Bei Fieber verliert der Körper durch den Anstieg der Körpertemperatur viel Flüssigkeit. Achte darauf, genug Flüssigkeit (z.B. Wasser und Tee) zu dir zu nehmen.7
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Kühlende Wickel an Leisten und/oder Waden können helfen das Fieber zu senken.7 Wenn du jedoch frierst und/oder kalte Hände oder Füße hast, solltest du keine Wadenwickel anlegen.
Die Abkürzung ILD steht für interstitielle Lungenerkrankung (engl. Interstitial lung disease), auch interstitielle Pneumonie genannt, ein Sammelbegriff für über 200 verschiedene Lungenerkrankungen, die das Zwischengewebe der Lunge und die Lungenbläschen betreffen. Diese Nebenwirkung ist ein bekannter Risikofaktor bei Krebsbehandlungen, insbesondere im Zusammenhang mit einer zielgerichteten Therapie oder Strahlentherapie. Eine ILD/Pneumonitis stellt eine grundsätzlich immer ernstzunehmende Nebenwirkung dar, die nicht durch dich zuhause behandelt werden kann, sondern zwingend eine ärztliche Untersuchung erfordert.
Auf diese Symptome einer ILD/Pneumonitis solltest du achten8,9
Die möglichen Symptome einer ILD sind, aufgrund der Vielzahl an Lungenerkrankungen, die unter dem Begriff zusammengefasst werden, häufig wenig spezifisch, im Vordergrund stehen Kurzatmigkeit, Atemnot und hartnäckiger, trockener Reizhusten (ohne Auswurf).8,9 Im fortgeschrittenen Stadium kann, aufgrund niedriger Sauerstoffwerte, auch eine bläuliche bis violette Verfärbung der Lippen, Hände und Füße auftreten.8
Alopezie ist der Fachbegriff für Haarausfall und eine für eine Krebsbehandlung typische Nebenwirkung, insbesondere im Zusammenhang mit einer Strahlentherapie des Kopfes und bestimmten Arten von Chemotherapien.10 Auch wenn es ein meist schmerzloses Symptom ist, kann Alopezie emotional stark belastend sein, weil die Krebserkrankung dadurch häufig auch für andere sichtbar wird.10,11 Zu Beginn äußert sich Alopezie durch eine berührungsempfindliche Kopfhaut, die auch schmerzen kann. In der Regel fallen die Haare auch nicht alle auf einmal aus, sondern nach und nach oder auch büschelweise.11
Was du bei Alopezie machen kannst:
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Perücken stellen eine einfache und schnelle Lösung dar, wenn du eine (entstehende) Glatze verbergen möchtest. Die Perücke gilt als medizinisches Hilfsmittel und kann von deinem Arzt oder deiner Ärztin verordnet werden.10,11
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Außerdem besteht die Möglichkeit zum Einsatz einer Kühlkappentherapie. Durch die Kälte der Kappe verengen sich die Gefäße in der Kopfhaut, sodass während der Infusion eine geringere Dosis des Medikaments an die Haarwurzel gelangen kann. Eine Kühlkappentherapie bietet zwar keine Garantie den Haarausfall zu vermeiden, kann aber helfen, das Ausmaß zu reduzieren.10,12
Eine Polyneuropathie bezeichnet Erkrankungen des peripheren Nervensystems, bei denen mehrere Nerven oder ganze Nervenstrukturen geschädigt sind.13,14 Durch die Beschädigungen können Reize nicht mehr richtig im Nervensystem weitergeleitet werden, wodurch es zu Funktionsstörungen kommen kann. Typischerweise äußern sich diese Funktionsstörungen in Schmerzen, Empfindungsstörungen (Jucken, Brennen, Taubheitsgefühl oder Kribbeln) oder Muskelzucken, Muskelkrämpfen oder Muskelschwäche.14 Eine Schädigung des vegetativen Nervensystems kann außerdem zu Beschwerden wie Schwindel, Blasenschwäche, Durchfall oder verstärktem Schwitzen führen.14
Was du bei Polyneuropathie machen kannst:
Ein Verdacht auf Polyneuropathie sollte immer durch eine neurologische Facharztpraxis untersucht werden, um bei einer Bestätigung möglichst schnell eine Behandlung einzuleiten. Maßnahmen, die du selbst zur Vorsorge ergreifen kannst, oder dich unterstützen können, sollte bei dir bereits eine Polyneuropathie vorliegen, umfassen z. B.:
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Bei Diabetes Blutzucker regelmäßig kontrollieren. Eine suboptimale Blutzuckereinstellung kann das Risiko für die Entstehung und Fortschreiten einer Polyneuropathie erhöhen.14
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Kontrolliere deine Füße auf regelmäßig auf Wunden, eine Polyneuropathie an Beinen und Füßen erhöht das Risiko für Fußgeschwüre.14
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Betroffene können bei Schmerzen und Missempfindungen von Bewegungsangeboten wie Aquagymnastik oder Gehtraining profitieren.14
Wechselwirkung unerwünscht
Wechselwirkung zwischen Arzneimitteln
Unter einer Arzneimittelwechselwirkung (Drug-Drug-Interaction) versteht man die gegenseitige Beeinflussung von Arzneimitteln bei gleichzeitiger Einnahme. Die jeweilige Wirkung kann dann anders ausfallen als erwartet. Wechselwirkungen können dazu führen, dass sich die Wirkung von zwei oder mehreren Arzneimitteln bis zu einem gesundheitsschädlichen Maß verstärkt. Es ist aber auch möglich, dass die Wirkung aufgehoben werden kann. Schließlich kann ein Arzneimittel auch die Wirkung eines anderen Arzneimittels verändern, indem es die Aufnahme, Verteilung und/oder die Ausscheidung beeinflusst. Arzneimittelwechselwirkungen können sowohl zwischen verschiedenen Arzneimitteln auftreten als auch zwischen Arzneimitteln und Nahrungs- oder Genussmitteln. Deswegen solltest du deinem Behandlungs-Team unbedingt mitteilen, ob und welche Medikamente und/oder Nahrungsergänzungsmittel du einnimmst. Beispiele für solche Interaktionen sind folgende:
Die Immuntherapie basiert auf einer Aktivierung deiner körpereigenen Immunabwehr, um den Tumor zu attackieren. Entsprechend können Medikamente, die in deine Immunabwehr eingreifen, wie Immunsuppressiva und Cortison, die Wirkung von Immuntherapien abschwächen.
Bestimmte Medikamente können verhindern, dass zielgerichtete Medikamente richtig aufgenommen und vom Körper verstoffwechselt werden. Dadurch verringert sich die Wirkung der zielgerichteten Therapie oder es kann sogar zu zusätzlichen Nebenwirkungen kommen. Beispielsweise kann die Einnahme von Magenschutzmittel zur Linderung von Sodbrennen oder um die Verträglichkeit bestimmter Schmerzmittel im Magen zu erhöhen, die Wirkung von Tyrosinkinasehemmern in Tablettenform beeinträchtigen.
Einige Lebensmittel können die Wirksamkeit einer Strahlentherapie beeinflussen. Johanniskraut kann beispielsweise deine Haut empfindlicher gegenüber einer Strahlentherapie machen, wodurch leichter Verbrennungen entstehen können.
Eine Gruppe von Zitrusfrüchten kann mit Chemotherapeutika, aber auch mit vielen anderen Medikamenten interagieren. Die Pflanzenstoffe in Grapefruits hemmen ein Enzym, das für die Verstoffwechselung der Chemotherapeutika verantwortlich ist. Je nach eingesetztem Medikament kann es dann zu einer erhöhten oder einer verringerten Konzentration des Wirkstoffs im Blut kommen. Daher wird von dem Verzehr von Grapefruits und Grapefruitsaft während einer Chemotherapie abgeraten. Auch bei weiteren Zitrusfrüchten wie Pomelo und Limetten ist Vorsicht geboten.
Im Laufe einer Behandlung können sich Resistenzen oder Toleranzen gegen die verwendeten Medikamente entwickeln. Dadurch reduziert sich ihre Wirkung oder sie geht komplett verloren. Das betrifft nicht nur Medikamente, die sich gegen den Tumor richten, sondern kann auch bei ergänzenden Arzneien wie Schmerzmitteln oder Antibiotika auftreten. Entwickeln sich Resistenzen oder Toleranzen gegenüber einem Arzneimittel, wird das Ärzt:innenteam die Dosis erhöhen oder ein anderes Arzneimittel einsetzen. Dein Arzt oder deine Ärztin wird diese Interaktionen berücksichtigen und dich darüber aufklären.
Ohne Rücksprache mit deinen behandelnden Ärzt:innen solltest du weder Medikamente eigenmächtig absetzen noch neue Präparate einnehmen. Das gilt auch für frei verkäufliche Medikamente oder Nahrungsergänzungsmittel.
Bei Tabletten solltest du dich genau an die Einnahmeempfehlungen des jeweiligen Medikaments halten. Informier dich, ob du das Medikament vor, zu oder nach den Mahlzeiten einnehmen musst. Schau hierzu in den Beipackzettel und sprich mit deinem Ärzt:innenteam.
Du solltest eine Liste aller eingenommen Arzneimittel und aller bestehenden Erkrankungen führen und diese gelegentlich mit deinem Behandlungsteam besprechen. Bei unerwarteten Wirkungen und/oder Symptomen solltest du mit deiner Ärztin oder deinem Arzt unverzüglich Rücksprache halten.
Hilfe aus der Apotheke
Beratungsangebot von Apotheken
Seit dem Sommer 2022 haben bestimmte Patientinnen und Patienten einen gesetzlichen Anspruch auf pharmazeutische Dienstleistungen (pDL) in der Apotheke. Dabei handelt es sich um eine „erweiterte Medikationsberatung“ in Form eines persönlichen Gesprächs mit deiner Apothekerin oder mit deinem Apotheker, um die Anwendung der Medikamente zu verbessern. Dieses Angebot richtet sich insbesondere auch an Patientinnen und Patienten, die orale Krebsmedikamente einnehmen. Dazu werden Daten über deine bisherige Medikation sowie alle Arzneimittel und Nahrungsergänzungsmittel gesammelt, die du derzeit einnimmst. Nach sorgfältiger Überprüfung deines Medikationsplans wird deine Apothekerin bzw. dein Apotheker gemeinsam mit dir die Therapie optimieren.
Wer kann pharmazeutische Dienstleistungen in Anspruch nehmen?
Aktuell stehen pDL bei fünf verschiedenen Indikationen und Arzneimittelanwendungen zur Verfügung: orale Krebstherapie, Bluthochdruck, Inhalativa, Polymedikation und Organtransplantation. Gehörst du zu einer dieser Gruppen, hast du Anspruch auf eine pDL in Form einer „erweiterten Medikationsberatung“ und eines Folgegesprächs zwei bis sechs Monate später, um Anwendungsprobleme oder Nebenwirkungen zu besprechen.
Welchen Nutzen hast du als Patientin bzw. als Patient?
Die pharmazeutischen Dienstleistungen zielen darauf ab, die Sicherheit deiner Therapie zu verbessern, indem arzneimittelbezogene mögliche Nebenwirkungen erkannt, gelöst oder verhindert werden sollen. Dadurch kann sowohl die Effektivität der Arzneimitteltherapie erhöht als auch mögliche Nebenwirkungen verhindert oder abgemildert werden. Wenn du dich dazu entscheidest, die pDL in Anspruch zu nehmen, steht dir mit deiner Apothekerin bzw. deinem Apotheker eine weitere Ansprechperson zur Seite, mit der du ausführlich über Besonderheiten deiner Therapie, Nebenwirkungen, mögliche Herausforderungen, Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln und offene Fragen sprechen kannst. Insbesondere wird auf die Eigenschaften und Besonderheiten der Krebsmedikamente zum Einnehmen eingegangen, und du kannst auch einen Einnahmeplan und vollständigen Medikationsplan erhalten.
In dieser Folge von „Krebs! Was nun?“ dreht sich alles um die pharmazeutische Dienstleistung bei oralen Krebstherapien. Der selbst an Lungenkrebs erkrankte Nils Glaubke spricht mit der Apothekerin Kerstin Bornemann darüber, wie Apotheken effektiv unterstützen können.
Themen wie sichere Einnahmepläne, Wechselwirkungen, Hilfe bei Nebenwirkungen und psychoonkologische Begleitung kommen auf den Tisch. Und ganz wichtig: Welche pharmazeutischen Dienstleistungen sind eigentlich kostenfrei und wie bekommt man sie als Patient:in? Eine Folge voller Antworten und praktischer Tipps für mehr Sicherheit im Therapiealltag.
Auf der Webseite www.apoguide.de findest du eine Übersicht der teilnehmenden Apotheken in deiner Nähe. Gib dafür deine Postleitzahl ein und wähle bei Leistug “Pharmazeutische Betreuung bei oraler Antitumortherapie” aus.
Pharmazeutische Betreuung bei oraler Antitumortherapie – dieses Video schildert dir den möglichen Ablauf eines Beratungsgespräch in der Apotheke.
- https://www.krebshilfe.de/ernaehrung-bei-krebs/ (zuletzt aufgerufen: März 2025)
- https://www.krebsgesellschaftnrw.de/komplementarmethoden/linderung-von-nebenwirkungen/appetitlosigkeit/ (zuletzt aufgerufen: März 2025)
- Ebbers B. Heilberufe. 2020; 72(4): 30-32.
- https://www.krebsinformationsdienst.de/nebenwirkungen-bei-krebs/fatigue (zuletzt aufgerufen: März 2025)
- https://www.krebsinformationsdienst.de/nebenwirkungen-bei-krebs/schleimhautentzuendungen (zuletzt aufgerufen: März 2025)
- https://www.krebsinformationsdienst.de/lungenkrebs/behandlung (zuletzt aufgerufen: März 2025)
- https://www.krebsinformationsdienst.de/nebenwirkungen-bei-krebs/fieber (zuletzt aufgerufen: März 2025)
- https://europeanlung.org/de/information-hub/lung-conditions/interstitielle-lungenerkrankungen/ (zuletzt aufgerufen: März 2025)
- Behr J. MMW Fortschr Med. 2018; 160(3):38-42
- S3-Leitlinie Supportive Therapie bei onkologischen PatientInnen Langversion 1.3 Stand: Februar 2020 URL: https://www.krebshilfe.de/infomaterial/Patientenleitlinien/Supportive-Therapie_Patientenleitlinie_DeutscheKrebshilfe.pdf (zuletzt aufgerufen: März 2025)
- https://www.krebsgesellschaft.de/onko-internetportal/basis-informationen-krebs/leben-mit-krebs/pflege-und-schoenheitstipps-fuer-krebspatienten/haarverlust-bei-kr.html (zuletzt aufgerufen: März 2025)
- https://www.krebsgesellschaft.de/onko-internetportal/basis-informationen-krebs/nebenwirkungen-der-therapie/nebenwirkungen-einer-chemotherapie.html (zuletzt aufgerufen: März 2025)
- https://www.krebsgesellschaft.de/onko-internetportal/basis-informationen-krebs/nebenwirkungen-der-therapie/neuropathie-nervenschaeden-bei-krebs.html (zuletzt aufgerufen April 2025)
- https://www.aok.de/pk/magazin/koerper-psyche/gehirn-nerven/polyneuropathie-symptome-ursachen-und-behandlung/ (zuletzt aufgerufen: März 2025)
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