Lungenkrebs behandeln

Zielgerichtete Therapie bei Lungenkrebs

Operation, Chemo- und Strahlentherapie sind wichtige und bewährte Therapien in der Krebsbehandlung. Ergänzt und unterstützt werden diese Behandlungen durch Verfahren wie die zielgerichtete Therapie und die Immuntherapie.

 

Wie der Name schon vermuten lässt, greifen zielgerichtete Therapien den Tumor sehr präzise an. Dabei machen sie sich bestimmte Merkmale auf oder in den Krebszellen zu Nutze. Dies sorgt auch dafür, dass gesundes Gewebe, im Vergleich zu herkömmlichen Therapien wie z. B. Chemotherapie, mehr geschont wird.

 

Bislang sind zielgerichtete Therapien nur beim nicht-kleinzelligenLungenkrebs (NSCLC) zugelassen. Für das fortgeschrittene oder metastasierte Stadium (Stadium IV) stehen viele unterschiedliche zielgerichtete Therapien zur Verfügung. Hier haben sie das Ziel, das Leben der Patient:innen bei guter Lebensqualität so weit wie möglich zu verlängern. Sie werden also meist in sogenannter palliativer oder lindernder Absicht verwendet.

Auch in den frühen Stadien kommen zielgerichtete Therapien mittlerweile  zum Einsatz, wo eine Heilung der Erkrankung potenziell noch möglich ist.

 

Beim kleinzelligen Lungenkrebs (SCLC) sind bislang noch keine zielgerichteten Therapien zugelassen. Anders als beim NSCLC gibt es seltener Veränderungen im SCLC, die als Angriffspunkt einer zielgerichteten Therapie in Frage kommen.

 

Im Folgenden zeigen wir im Detail, was zielgerichtete Therapien so besonders macht.

Den Tumor im Visier

Wirkweise und Ziele

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Der zielgerichtete Ansatz dieser Therapien basiert darauf, dass Tumorzellen sich in besonderen biologischen Merkmalen, sogenannten Biomarkern, von gesunden Körperzellen unterscheiden können. Häufig sind diese Unterschiede für das unkontrollierte Wachstum des Tumors verantwortlich. Die zielgerichtete Therapie setzt ganz spezifisch an diesen Biomarkern mit dem Ziel an, das Wachstum der Krebszelle zu unterbinden.

 

Damit eine Zelle wachsen und sich teilen kann, muss normalerweise ein Botenstoff, ein sogenanntes Wachstumssignal, an eine Bindestelle auf der Oberfläche der Zelle binden. Diese Bindestelle sendet ein Signal über den sogenannten Signalweg in das Zellinnere Richtung Zellkern. Wenn das Signal den Zellkern erreicht, werden dort die für die Zellteilung wichtigen Prozesse gestartet.

Der zielgerichtete Ansatz dieser Therapien basiert darauf, dass Tumorzellen sich in besonderen biologischen Merkmalen, sogenannten Biomarkern, von gesunden Körperzellen unterscheiden können. Häufig sind diese Unterschiede für das unkontrollierte Wachstum des Tumors verantwortlich. Die zielgerichtete Therapie setzt ganz spezifisch an diesen Biomarkern mit dem Ziel an, das Wachstum der Krebszelle zu unterbinden.

 

Damit eine Zelle wachsen und sich teilen kann, muss normalerweise ein Botenstoff, ein sogenanntes Wachstumssignal, an eine Bindestelle auf der Oberfläche der Zelle binden. Diese Bindestelle sendet ein Signal über den sogenannten Signalweg in das Zellinnere Richtung Zellkern. Wenn das Signal den Zellkern erreicht, werden dort die für die Zellteilung wichtigen Prozesse gestartet.

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Veränderungen im Erbgut von Lungenkrebszellen (Mutationen) ermöglichen ein krankhaftes Wachstum von Krebszellen, indem Teile dieses Signalwegs verstärkt aktiv werden. Sie führen oft auch dazu, dass auf oder in den Krebszellen ganz spezifische Angriffspunkte entstehen. Verschiedene Ansatzpunkte des Zellteilungsprozesses können über eine zielgerichtete Therapie anvisiert werden. Therapien, die auf unterschiedliche Biomarker abzielen, können teilweise sogar miteinander kombiniert werden. Auch eine Ergänzung der zielgerichteten Therapie mit einer Chemo- oder Strahlentherapie ist möglich. Ob eine zielgerichtete Therapie für dich in Frage kommt, können Ärztinnen und Ärzte mit Hilfe einer molekularen Testung herausfinden. Mehr zur Testung erfährst du hier.

 

Wann kommt eine zielgerichtete Therapie bei Lungenkrebs infrage und wie wirkt diese? Dieses Video erklärt die wichtigsten Fakten – von der Entstehung von Lungenkrebs bis hin zu möglichen Nebenwirkungen der Therapie.

Auf das Testergebnis kommt es an

Ablauf der zielgerichteten Therapie

Je nach Testergebnis werden verschiedene zielgerichtete Therapien eingesetzt. Effektive Therapieoptionen sind beispielsweise Tyrosinkinase-Hemmer und Antikörper-Wirkstoff-Konjugate, die wir im späteren Verlauf noch weiter erklären werden. Diese werden als Tablette oder als Infusion in die Vene bzw. über einen Portkatheter verabreicht.

 

Im Falle einer Tablettengabe kann die Einnahme durch die Patient:innen zu Hause erfolgen. Für die Infusion ist ein Arztbesuch nötig.

 

Ein Arzt mit Arztkittel und Stethoskop spricht mit einer Patientin am Schreibtisch im Büro.

Je nach Testergebnis werden verschiedene zielgerichtete Therapien eingesetzt. Effektive Therapieoptionen sind beispielsweise Tyrosinkinase-Hemmer und Antikörper-Wirkstoff-Konjugate, die wir im späteren Verlauf noch weiter erklären werden. Diese werden als Tablette oder als Infusion in die Vene bzw. über einen Portkatheter verabreicht.

 

Im Falle einer Tablettengabe kann die Einnahme durch die Patient:innen zu Hause erfolgen. Für die Infusion ist ein Arztbesuch nötig.

 

Ein Arzt mit Arztkittel und Stethoskop spricht mit einer Patientin am Schreibtisch im Büro.

Wie häufig und wie lange Patient:innen die Medikamente nehmen müssen, hängt von dem jeweiligen Medikament ab und erfolgt nach einem zuvor festgelegten und besprochenen Behandlungsplan:

 

  • Tabletten in der Regel täglich, jedoch abhängig vom Präparat oder Medikament
  • Infusionen entweder wöchentlich oder alle zwei bis vier Wochen. Eine Infusion dauert etwa eine halbe Stunde bis zwei Stunden.

 

Es ist wichtig, sich genau an die Behandlungsempfehlungen des Ärzt:innenteams zu halten. Die Dauer der Behandlung hängt davon ab, wie lange die Medikamente wirken und wie stark mögliche Nebenwirkungen ausfallen.

Definition

Was sind Tyrosinkinase-Hemmer?

  • Damit eine Zelle wachsen und sich teilen kann, benötigt sie Signale von außen. Eine Übersicht von Eiweißen, die an diesem Prozess beteiligt sind, findest du hier. Diese Signale nimmt die Zelle über sogenannte Wachstumssignal-Rezeptoren auf ihrer Zelloberfläche auf.
  • Die empfangenen Signale werden in einer Signalkette weitergeleitet und lösen schließlich die nötigen Vorgänge für das Zellwachstum aus.
  • Ein wichtiger Teil dieser Signalkette ist eine bestimmte Gruppe von Eiweißen, die sogenannten Tyrosinkinasen. In einigen Lungenkrebszellen sind diese Tyrosinkinasen auch ohne Signale von außen aktiv und die Zelle wächst unkontrolliert.
  • Ein solcher Tumor kann mit sogenannten Tyrosinkinase-Hemmern behandelt werden. Diese unterbrechen die Aktivität der Tyrosinkinase, wodurch entartete Zellen sich nicht weiter teilen und schließlich absterben. Der Tumor schrumpft oder verschwindet komplett.
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Definition

Was sind Antikörper-Wirkstoff-Konjugate?

  • Antikörper-Wirkstoff-Konjugate (ADC) setzen sich aus drei Bestandteilen zusammen:
    • Ein Antikörper: also ein kleines Eiweiß, das an eine spezifische Zielstruktur auf einer Zelle bindet.
    • Ein Wirkstoff, der die Krebszellen tötet. Sie gehören zu den Zytostatika, die auch in der Chemotherapie verwendet werden. Weiteres zur Chemotherapie kannst du hier lesen.
    • Ein Linker, der Antikörper und Wirkstoff miteinander verbindet und im Blut zusammenhält.
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  • Nachdem der Antikörper an seine Zielstruktur auf der Krebszelle gebunden hat, wird er zusammen mit dem gebundenen Wirkstoff als Ganzes in die Zelle aufgenommen. Dort löst sich der Linker auf und der Wirkstoff kann gezielt in der Zelle seine Wirkung entfalten. Ziel ist es, dass der Tumor schrumpft und sich Metastasen weniger ausbreiten. Man kann dies sehr gut mit dem trojanischen Pferd vergleichen. Es bringt seine Ladung versteckt und geschützt genau an den Ort, wo sie am effektivsten sein kann.
  • Durch die Verwendung eines speziellen Antikörpers sollen Schäden an gesunden Zellen begrenzt werden. Weil die Zielstrukturen der Antikörper allerdings auch auf gesunden Zellen vorkommen können, kann es zu Nebenwirkungen kommen.
  • Antikörper-Wirkstoff-Konjugate nutzen die Wirksamkeit von Chemotherapien und kombinieren sie mit der Präzision zielgerichteter Therapien.

Umgang mit Belastungen

Häufige Nebenwirkungen zielgerichteter Therapien

Wie beschrieben, bekämpft die zielgerichtete Therapie Krebszellen mit bestimmten Biomarkern, die Veränderungen in Tumorzellen anzeigen. Allerdings existieren diese Biomarker als natürliche Bestandteile teilweise auch in gesunden Zellen. Im Vergleich zu Tumorzellen ist hier die Menge der Biomarker meist geringer oder ihre Funktionsweise weicht leicht ab. Dennoch können auch diese Zellen durch die zielgerichtete Therapie angegriffen werden.

 

Die daraus resultierenden Nebenwirkungen sind abhängig vom Medikament und dem angezielten Biomarker. Am häufigsten betroffen sind Blutzellwerte, Haare, Nägel, Haut, Lunge und Darm, wo es zu Reizungen oder anderen Beschwerden kommen kann. Genauer sind das:

  • Hautausschlag, trockene Haut und Juckreiz
  • Rötungen rund um die Fingernägel
  • Durchfall, Appetitlosigkeit und Erbrechen
  • Entzündung der Mundschleimhaut (Stomatitis)

 

Zusätzlich können auch schwere Erschöpfungszustände und andere schwere Nebenwirkungen auftreten.

Der Umgang mit Nebenwirkungen

Du hast unterschiedliche Möglichkeiten, mit diesen Nebenwirkungen umzugehen. Einige praktische Tipps haben wir hier für dich aufgelistet:

Bei Problemen mit der Haut eignen sich milde Produkte zur Pflege, die z. B. Aloe vera, Avocadoöl oder Calendula enthalten. Außerdem sollte die Haut nicht zu häufig gereinigt werden. Wenn sie gewaschen werden muss, eignen sich Waschlotionen für eine empfindliche Haut und lauwarmes Wasser.

Lauwarme, antibakterielle Bäder und ein Nagelbalsam können bei Nagelveränderungen helfen.

Bei Durchfall ist es wichtig, ausreichend Flüssigkeit (2 bis 4 Liter pro Tag) zu trinken. Hier eignen sich unter anderem auch Gemüsebrühen und elektrolythaltige Getränke. Nimm leicht verdauliche Speisen in kleinen Portionen zu dir (z. B. Weißbrot, Reis, Haferflocken, Bananen und Apfelstückchen) und meide fettreiche, scharfe oder ballaststoffreiche Nahrung. Warme Bäder und Wundsalbe können darüber hinaus bei einem gereizten Darmausgang helfen.

Du kannst Entzündungen der Mundschleimhaut vorbeugen, indem du auf eine gute Mundhygiene achtest. Im Falle einer entzündeten Schleimhaut hilft es, Eiswürfel zu lutschen oder kleine Schlucke kaltes Wasser zu trinken. Vermeide zudem heiße sowie harte Speisen. Bei einer akuten Entzündung kannst du warmen Kräutertee trinken. Kamille und Malve können Schmerzen lindern und die Entzündung hemmen, Thymian, Salbei und Minze wirken desinfizierend. Auch eine antibakterielle Mundspülung kann helfen.

Zögere nicht, dich an deine:n Ärzt:in zu wenden, wenn eine dieser oder auch andere Nebenwirkungen auftreten. Er/sie wird dich auf die speziellen Nebenwirkungen dieser Therapie hinweisen und entsprechend betreuen. Für den Umgang mit bzw. die Vermeidung von bestimmten Nebenwirkungen ist auch ein konkretes Beratungsangebot durch Apotheken relevant, die sogenannten pharmazeutischen Dienstleistungen. Erfahre hier mehr über diese erweiterte Medikationsberatung.

Deutsches Krebsforschungszentrum in der Helmholtz-Gemeinschaft, Krebsinformationsdienst, Lungenkrebs: Behandlungsmöglichkeiten und Nebenwirkungen, Stand: März 2023, URL: https://www.krebsinformationsdienst.de/tumorarten/lungenkrebs/behandlung-uebersicht.php (zuletzt aufgerufen: März 2024)

 

Deutsche Krebsgesellschaft, Behandlungsmethoden bei Lungenkrebs im Einzelnen, Stand: Juli 2018, URL: https://www.krebsgesellschaft.de/onko-internetportal/basis-informationen-krebs/krebsarten/definition/behandlungsmethoden-bei-lungenkrebs.html (zuletzt aufgerufen: März 2024)

 

Deutsches Krebsforschungszentrum in der Helmholtz-Gemeinschaft, Krebsinformationsdienst, Zielgerichtete Krebstherapie: Das Tumorwachstum punktgenau hemmen, Stand: Mai 2019, URL: https://www.krebsinformationsdienst.de/behandlung/gezielte-krebstherapie.php (zuletzt aufgerufen: März 2024)

 

Deutsches Ärzteblatt, Tyrosinkinasen als Ziele neuer onkologischer Therapien, Stand: Mai 2007), URL: https://www.aerzteblatt.de/archiv/55619/Tyrosinkinasen-als-Ziele-neuer-onkologischer-Therapien (zuletzt aufgerufen: März 2024)

 

ADC Review, Journal of Antibody Drug Conjugates, What are Antibody-drug Conjugates?, Stand März 2019, URL: https://www.adcreview.com/the-review/antibody-drug-conjugates/what-are-antibody-drug-conjugates/ (zuletzt aufgerufen: März 2024)

 

Deutsches Krebsforschungszentrum, ZIELGERICHTETE KREBSTHERAPIEN: Wie funktionieren sie?, Stand: Januar 2024, URL: https://www.krebsinformationsdienst.de/service/iblatt/iblatt-zielgerichtete-krebstherapien.pdf (zuletzt aufgerufen: Mai 2024)

 

Griesinger F et al. Onkopedia Leitlinien.
Lungenkarzinom, nicht-kleinzellig (NSCLC), Stand: Januar 2025. URL: https://www.onkopedia.com/de/onkopedia/guidelines/lungenkarzinom-nicht-kleinzellig-nsclc/@@guideline/html/index.html (zuletzt aufgerufen März 2025)

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