Leben mit Lungenkrebs
Ernährung bei Lungenkrebs
Unsere Ernährung hat einen beträchtlichen Einfluss auf Gesundheit und Wohlbefinden. Alles, was wir täglich zu uns nehmen, wird verwertet und erfüllt seinen Zweck im Körper. Dabei ist darauf zu achten, dass die Zusammenstellung unserer Nahrung ausreichend ist und vor allem die richtigen Nährstoffe enthält. Das ist wichtig für die Energieerzeugung im Körper, die wir für unsere Leistungs- und Konzentrationsfähigkeit benötigen und um durch die Krebserkrankung angegriffene Energiereserven zu füllen. Welche Menge an Nährstoffen konkret nötig ist und was gegessen werden sollte, ist bei jedem Menschen unterschiedlich.
Die eine gesunde Ernährung per se gibt es nicht, auch nicht speziell für Krebspatient:innen. Es ist aber immer eine gute Idee, den Körper mit der bestmöglichen Kombination verschiedener Lebensmittel zu versorgen.
Die Mischung macht‘s
Zusammensetzung der Ernährung
Da wir Menschen omnivor, also „Allesesser“, sind, besteht die optimale Ernährung aus Komponenten aller für uns bekömmlichen Lebensmitteln. Dabei kommt es auf die richtige Mischung an, denn nicht alles brauchen wir in derselben Menge.
Eine ausgewogene Ernährung, die uns mit allen notwendigen Nährstoffen versorgt, besteht idealerweise zu rund drei Vierteln aus Getreideprodukten, Gemüse, Salat und Obst. Tierische Produkte wie Fleisch, Milch und Eier bilden in geringeren Mengen die Ergänzung. Gesunde Öle und Fette – wie Omega-3 – stellen den kleinsten Teil dar.
Außerdem ist es wichtig, dazu ausreichend zu trinken, damit die Nährstoffe richtig aufgenommen werden können und der Körper gut versorgt ist.

Optimalerweise nimmst du täglich mindestens 1,5 - 2 Liter Flüssigkeit in Form von Wasser oder ungesüßtem Tee zu dir. Krebspatient:innen sollten mehr trinken, um den Flüssigkeitsverlust durch z. B. Durchfall auszugleichen. Dann gilt es zwischen 2 - 4 Liter pro Tag zu trinken.
| Lebensmittelgruppe | Portionen in g | Bezeichnung | Portion | Zeitbezug |
|---|---|---|---|---|
| Obst und Gemüse | 110 | Portion | 5 | täglich |
| Säfte | 200 | Glas | 2 | wöchentlich |
| Hülsenfrüchte | 125 | Portion (frisch) | 1 | wöchentlich |
| Nüsse und Samen | 25 | Portion | 1 | täglich |
| Kartoffeln | 250 | Portion | 1 | wöchentlich |
| Getreide, Brot, Nudeln, davon mind. 1/3 Vollkorn | 60 | Portion | 5 | täglich |
| Pflanzliche Öle | 10 | Esslöffel | 1 | täglich |
| Butter und Margarine | 10 | Esslöffel | 1 | täglich |
| Milch und Milchprodukte | 250 | Portion | 2 | täglich |
| Fisch | 120 | Portion | 1 bis 2 | wöchentlich |
| Fleisch (Rind, Schwein, Geflügel) | 120 | Portion | 1 bis 2 | wöchentlich |
| Wurst | 30 | Scheibe | 2 | wöchentlich |
| Eier | 60 | Stück | 1 | wöchentlich |
Eine Frage der Schwere
Welche Rolle spielt das Körpergewicht?
Eine ausgewogene Ernährung kann dazu beitragen, mögliche Nebenwirkungen einer onkologischen Behandlung zu lindern. So hast du die Möglichkeit, den Therapieverlauf aktiv positiv zu beeinflussen und deine Heilungschancen zu verbessern.
Das Körpergewicht ist ein wichtiger Faktor in der Therapie von Lungenkrebs. Übergewicht kann den Körper zusätzlich belasten und die Wirksamkeit von Behandlungen beeinflussen. So sind beispielsweise Operationen bei übergewichtigen Patient:innen anspruchsvoller.
Untergewicht kann im Laufe einer Krebserkrankung schnell auftreten. Zum einen verbrauchen Tumore viel Energie, zum anderen senken manche Therapien wie z. B. Chemotherapie das Appetitgefühl. Untergewicht stellt ähnlich wie Übergewicht eine Belastung für den Körper dar. Ebenso kann Untergewicht die Krebsbehandlung verkomplizieren, indem etwa Operationen nicht gut vertragen werden und sich das Risiko für Lungenkomplikationen erhöht.
Deshalb ist es wichtig, dass du deinen Körper im Blick hast, um mögliche Veränderungen zu erkennen. Mit dem sogenannten Body-Maß-Index (BMI), lässt sich dies am einfachsten überwachen. Der BMI beschreibt das Verhältnis von Körpergewicht zur Körpergröße.
Mit dem BMI das ideale Gewicht bestimmen
Bei Erwachsenen sollte der BMI zwischen 18,5 und 24,9 liegen. Ein BMI unter 18,5 kann ein Hinweis auf Mangelernährung sein. Kommt zusätzlich ein krankheitsbedingter hoher Gewichtsverlust in den letzten 3-6 Monaten oder starker Abbau der Muskulatur dazu, spricht man von einer Kachexie, einer krankhaften Abmagerung. Spätestens dann ist eine intensive ärztliche Betreuung und ein gezieltes Vorgehen gegen das Untergewicht nötig.
Wenn du dir nicht sicher bist, ob du vielleicht an Untergewicht leidest, sprich zeitnah mit deinem Behandlungsteam. So kann mit einem individuellen Ernährungsplan ein weiterer Gewichtsverlust verhindert werden.

Therapie schmeckt nicht immer
Wenn Nebenwirkungen auf den Magen schlagen
Während einer onkologischen Behandlung kann es zu Nebenwirkungen kommen, die sich auf dein allgemeines Wohlbefinden auswirken. Übelkeit, Erbrechen und Entzündungen sind nur einige der unliebsamen Begleiterscheinungen. Damit dir diese nicht zu sehr auf den Geist und auf den Magen schlagen, zeigen wir dir, was du dagegen tun kannst. Auch hier gilt wie immer: Sprich dich mit deiner Ärztin oder deinem Arzt ab - diese können dich mit entsprechendem Fachwissen unterstützen.
Nicht allem Glauben schenken
Ernährungsmythen bei Krebserkrankungen
Wie bei fast allen Krankheiten gibt es auch bei Krebs zahlreiche „Hausmittel“, denen wundersame Wirkung nachgesagt wird. Als Lungenkrebspatient:in bist du vielleicht auch manchmal geneigt, das ein oder andere auszuprobieren. Es ist auch verständlich, dass man alles dafür tun möchte, um seinen Zustand zu verbessern. Doch leider ist nicht alles Gold, was glänzt, und falsche Hoffnungen können geweckt werden.
Hier haben wir ein paar der gängigsten Ernährungsmythen für dich aufgedeckt, damit du dich vollkommen auf deine Therapie konzentrieren kannst.
Die Heilpflanze Kurkuma wird in Indien bei Arthrose, Krebs, Diabetes und Alzheimer eingesetzt. Diese enthält Curcumin was einen schützenden Effekt haben soll. Tierversuche und Laborexperimente erzielten tatsächlich positive Ergebnisse, wie etwa, dass Kurkuma wachstumshemmend auf Krebszellen wirkt.
Allerdings wirkt Curcumin nur in sehr hohe Dosen und kann vom menschlichen Körper nur schlecht aufgenommen werden. Verlässliche Studien am Menschen gibt es bisher nicht, deshalb ist nicht wissenschaftlich belegt, ob Kurkuma Krebs vorbeugen kann.
Grüner Tee soll ebenfalls viele heilsame Eigenschaften besitzen, die sich auf das Krebsrisiko auswirken können. Hier gibt es tatsächlich Studiendaten am Menschen zum Pflanzenstoff Epigallocatechingallat (EGCG) aus den grünen Teeblättern.
Die Ergebnisse fielen sehr unterschiedlich aus. So dass keine sichere Aussage über die Fähigkeit von Grünem Tee, das Krebsrisiko zu senken, getätigt werden kann. Bei Grüntee-Präparaten ist sogar äußerste Vorsicht geboten, denn sie können Wechselwirkungen mit Krebsmedikamenten hervorrufen.
Kurz und knapp: Nein. Dem Stoff Resveratrol im Rotwein konnte bisher wissenschaftlich keine gesundheitsfördernde Wirkung nachgewiesen werden.
Und selbst wenn, würde der Alkohol im Rotwein immer noch dem Körper mehr schaden, als die andere Substanz nutzen könnte. Ein Glas Rotwein hin und wieder kann man sich schon erlauben, doch täglich Alkohol zu trinken, verhindert weder Krebs, noch ist es gesund.
Beiden Gemüsesorten wird nachgesagt, sie würden das Krebsrisiko steigern. Kartoffeln und Tomaten sind Nachtschattengewächse und enthalten den schwachgiftigen Stoff Solanin.
Diese Substanz verschwindet bei Tomaten mit der Reifung und bei Kartoffeln wird sie durch Kochen oder Braten entfernt. Beides kann also ohne Bedenken gegessen werden.
Über kein Getränk wird so viel diskutiert wie über Kaffee. Ob er gesund ist oder nicht oder, ob er das Krebsrisiko steigert?
Hier gibt es aber nach zahlreichen Studien die offizielle Entwarnung. Kaffee fördert nicht das Krebsrisiko und kann ruhigen Gewissens in Maßen genossen werden.
Gesellschaft kann helfen
Appetitlosigkeit ist eine der häufigsten Nebenwirkungen im Rahmen einer Krebstherapie. Das kannst du dagegen tun:
- Iss, worauf du Lust hast
- Verteile dein Tages-Soll auf 6-8 kleinere Mahlzeiten
- Gute Gesellschaft kann den Appetit anregen
- Lenk dich während des Essens ab, z. B. mit Fernsehen
- Stell eine Schüssel mit leckeren Kleinigkeiten auf den Tisch
- Geh spazieren - frische Luft und Bewegung regen den Appetit an
- Trinke Ingwertee oder Ingwerwasser
Die Ernährung macht den Unterschied
Auch Durchfall ist eine der häufigeren Nebenwirkungen einer Lungenkrebstherapie. Mit der richtigen Ernährung kannst du diesem entgegenwirken.
- Trinke genug, am besten Wasser, Fenchel-, Kümmel- oder Pfefferminztee
- Verzichte auf kalte Getränke, Alkohol, Kaffee, Kohlensäure und Milchprodukte
- Iss nicht zu stark gewürzt
- Vermeide ballaststoffreiche Kost, wie Getreideprodukte oder Hülsenfrüchte
- Stopfende Lebensmittel wie Reis, Banane oder bittere Schokolade können helfen
- Probiere indische Flohsamen aus – sie binden Wasser
Fett und Hülsenfrüchte vermeiden
Blähbauch und damit einhergehende Schmerzen sind ebenfalls häufig auftretende Nebenwirkungen. Auch hier kann eine angepasste Ernährung die Beschwerden lindern.
- Iss leicht verdauliche, fettreduzierte Lebensmittel
- Kräuter wie Basilikum, Dill, Kümmel oder Thymian unterstützen die Verdauung
- Vermeide blähende Lebensmittel wie Hülsenfrüchte, frisches Brot, Kohlgemüse oder Zwiebel, Frittiertes, unreifes Obst, Süßigkeiten oder schwer verdauliche fettige Lebensmittel wie vollfette Milchprodukte
- Iss langsam und kaue gut
- Verteile ein Essen auf mehrere kleine Portionen über den Tag
- Wähle vor und nach dem Essen Getränke ohne Kohlensäure
- Röstprodukte wie z. B. Kaffee oder etwas Saures regen die Verdauung an
Regelmäßig trinken ist die Lösung
Das hilft bei trockenem Mund:
- Trinke regelmäßig kleine Mengen, um die Schleimhäute zu befeuchten
- Tupfe mit einem feuchten Tuch über deine Lippen
- Du kannst die Speichelbildung durch kleine Bissen, langes Kauen oder Kaugummis anregen
- Alternativ kannst du in der Apotheke Produkte zur Speichelergänzung erhalten
Milde statt Schärfe
Schleimhautentzündung ist eine besonders unangenehme Nebenwirkung. So kannst du die Beschwerden lindern:
- Iss vor allem lauwarme und mild gewürzte Gerichte
- Vermeide saure Lebensmittel und scharfe Speisen
- Reichere deine Mahlzeiten mit Soße, Butter oder Sahne an und vermeide trockenes und hartes Essen
- Kühle Getränke ohne Kohlensäure, Joghurt, Eis, Kamillen- oder Salbeitee und Honig wirken lindernd und können auch als Mundspülung verwendet werden
- Bei langanhaltenden Beschwerden kann dir dein Behandlungsteam spezielle Lutschtabletten oder Medikamente zur Magensäurereduktion verschreiben
Würze, wie du es magst
Neben Appetitlosigkeit kann auch eine Geschmacksveränderung durch den Tumor selbst oder die Strahlen- oder Chemotherapie verursacht werden. Das kann helfen:
- Würze nach deinem eigenen Empfinden
- Bittere Getränke helfen gegen metallischen Nachgeschmack
- Zuckerfreie Kaugummis, Bonbons oder Mundspülungen können den Geschmack verbessern
- Greife bei Abneigung gegen Fleisch und Fisch auf andere Proteinquellen wie Eier, Milchprodukte oder Hülsenfrüchte zurück
- Trinke häufige kleine Schlucke gegen faden Geschmack im Mund
Zusätzliche Kalorien helfen
Als Lungenkrebspatient:in bist du besonders anfällig für Gewichtsverlust. Diverse Therapieformen kommen bei zu starkem Untergewicht jedoch nicht infrage, denn du brauchst genügend Kraft für die Behandlung. Das kannst du tun:
- Gibt zu jeder Mahlzeit etwas Fett für zusätzliche Kalorien
- Gehe Gewichtsverlust mit einem Ernährungstagebuch auf den Grund
- Reichere deine Nahrungsmittel mit Maltodextrin (Pulver aus Maisstärke) an
- Greife gegebenenfalls auf besonders kalorienreiche Kost (sog. Astronautennahrung) zurück
Videorezepte
Genussvolle Unterstützung für deine Therapie
Vielen Menschen fehlt es in der Küche oft an Ideen für neue Gerichte. Pneumologe Dr. Claas Wesseler und Köchin Cornelia Poletto zeigen dir, wie du einfach und lecker kochen und dabei deine Therapie unterstützen kannst. Die Rezepte haben unsere drei Expert:innen speziell für erkrankte Personen entwickelt. Wir wünschen dir viel Spaß beim Zusehen und Nachkochen und natürlich einen guten Appetit!

Ernährungspodcast
Deutsches Krebsforschungszentrum, Ernährung bei Krebs, Stand: März 2023, URL: https://www.krebsinformationsdienst.de/leben/alltag/ernaehrung/index.php (zuletzt aufgerufen: April 2024)
Deutsches Krebsforschungszentrum, Durchfall bei Krebs, Stand: Mai 2021, URL: https://www.krebsinformationsdienst.de/leben/belastende-symptome/durchfall-bei-krebs.php (zuletzt aufgerufen: April 2024)
Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V., DGE-ErnährungskreisURL: https://www.dge.de/gesunde-ernaehrung/gut-essen-und-trinken/dge-ernaehrungskreis/ (zuletzt aufgerufen: April 2024)
BARMER, Wie viele Tassen Kaffee sind gesund?, Stand: Februar 2024, URL: https://www.barmer.de/gesundheit-verstehen/leben/ernaehrung/kaffee-gesund-1247700 (zuletzt aufgerufen: Mai 2024)
Bischoff, A. Dtsch Arztebl 2007; 104(22): A-1560 / B-1382 / C-1322
Lungeninformationsdienst, Lungenkrebs: Diagnose, Stand: Februar 2022, URL: https://www.lungeninformationsdienst.de/krankheiten/lungenkrebs/diagnose (zuletzt aufgerufen: Mai 2024)
Deutsches Krebsforschungszentrum, Chemotherapie: Substanzen und Nebenwirkungen, Stand: Januar 2019, URL: https://www.krebsinformationsdienst.de/behandlung/chemotherapie/nebenwirkungen.php (zuletzt aufgerufen: Mai 2024)
Deutsche Krebsgesellschaft, Mangelernährung und Tumorkachexie, Stand: März 2023, URL: https://www.krebsgesellschaft.de/onko-internetportal/basis-informationen-krebs/bewusst-leben/basis-informationen-krebs-bewusst-leben-ernaehrung/mangelernaehrung-.html (zuletzt aufgerufen: Mai 2024)
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