Lungenkrebs behandeln

Kombinationstherapien bei Lungenkrebs

Um (meist fortgeschrittene) Lungenkrebserkrankungen effektiver behandeln zu können, werden verschiedene Arzneimittel in sogenannten Kombinationstherapien gemeinsam verabreicht. So können beispielsweise mehrere Chemotherapeutika gleichzeitig eingesetzt werden (kombinierte Chemotherapie) oder verschiedene Behandlungsarten werden miteinander kombiniert. Einige Kombinationstherapien werden bereits routinemäßig eingesetzt und bilden eine feste Säule in der Therapie von Lungenkrebs. Welche Kombinationen zur Anwendung kommen und ob eine Einzel- oder Kombinationstherapie durchgeführt werden kann, ist abhängig von Art und Stadium des Lungenkrebses sowie von dem Gesundheitszustand der Patientin oder des Patienten.

 

Kombinationstherapien kommen sowohl beim nicht-kleinzelligen Lungenkrebs (NSCLC) als auch beim kleinzelligen Lungenkrebs (SCLC) zum Einsatz. Während das NSCLC ab dem Stadium III unter anderem mit einer Kombination aus Strahlentherapie und Chemotherapie behandelt werden kann, kann beim SCLC bereits in den frühen Stadien I–III eine kombinierte Strahlen- und Chemotherapie (auch Radiochemotherapie genannt) eingesetzt werden. Im fortgeschrittenen Stadium (Stadium IV) sowie, alternativ zur RCT, in den frühen Stadien des NSCLC, ist auch eine kombinierte Behandlung aus Chemo- und Immuntherapie möglich.

 

Für alle Kombinationstherapien gilt, dass die entsprechenden Voraussetzungen der Erkrankten wie auch bei den Einzeltherapien gegeben sein müssen. Darunter fällt z. B. das Vorliegen bestimmter Biomarker wie EGFR für den Einsatz einer zielgerichteten Therapie.

Fortschritt und Forschung

Varianten der Kombinationstherapie

Die Erforschung von Kombinationstherapien geht ständig voran. Dabei wird untersucht, ob die Behandlung von Lungentumoren durch die Kombination von einer zielgerichteten Therapie und Chemotherapie noch weiter verbessert werden kann. Untersucht wird, wie neue Medikamente mit nicht-medikamentösen Therapien kombiniert werden können. Auf dieser Seite stellen wir dir ein paar der aktuellen Kombinationstherapien vor:

Wissenschaftlerin mit Kittel und Schutzbrille im Labor arbeitet mit einer Pipette.

Mehr Informationen zu Kombinationstherapien findest du kompakt in diesem Video.

Es existieren unterschiedliche Chemotherapeutika („Chemos“), die sich in ihrer Wirkung an den Zellen unterscheiden.

Bei der kombinierten Chemotherapie werden zwei oder mehrere chemotherapeutische Medikamente gleichzeitig nach einem bestimmten Behandlungsplan verabreicht. Von einer Kombination erhofft man sich, dass sich die unterschiedlichen Wirkungen ergänzen und so die Effektivität der Therapie zunimmt, um möglichst viele Krebszellen zu töten.

Kombinationen von Chemotherapien werden standardmäßig beim nicht-kleinzelligen Lungenkrebs (NSCLC) und beim kleinzelligen Lungenkrebs (SCLC) verwendet.

 

Weitere Informationen zur Chemotherapie findest du hier.

Die sogenannte Radiochemotherapie ist eine Kombination, die aus Bestrahlung (= Radiotherapie) und Chemotherapie besteht. Während der Haupttumor mit der Strahlentherapie geziehlt bestrahlt  werden kann, eignet sich die Bestrahlung aber nicht unbedingt dafür, Krebszellen im ganzen Körper zu behandeln. Das Strahlenfeld wäre zu groß, um alle Tumorzellen, die sich möglicherweise an anderen Stellen im Körper befinden, auf einmal zu erfassen und ausreichend zu bestrahlen, ohne gesunde Zellen im ganzen Körper zu sehr zu schädigen. Eine präzise Bestrahlung kann zwar auch bei vorhandenen Metastasen angewendet werden, allerdings nur, bis die Gesamtstrahlendosis erreicht ist. Aus diesem Zweck wird eine zusätzliche Chemotherapie verabreicht.

 

Sie ermöglicht es, neben dem Haupttumor auch Krebszellen in weiter entfernten Körperregionen anzugreifen und abzutöten. Radiochemotherapie kommt im NSCLC hauptsächlich im Stadium III zum Einsatz. In besonderen Fällen wird sie auch in den Stadien I, II und IV eingesetzt.

Im SCLC wird Radiochemotherapie standardmäßig im begrenzten Stadium (LD, limited disease) eingesetzt. Inzwischen besteht zudem die Möglichkeit, nach einer erfolgreichen Radiochemotherapie eine zusätzliche Immuntherapie anzuschließen. Diese unterstützt das körpereigene Abwehrsystem dabei, eventuell verbliebene Krebszellen langfristig zu bekämpfen und Rückfälle zu verhindern. Weitere Informationen zum Ablauf einer Strahlentherapie findest du hier. Eine Übersicht über die Arten und Stadien von Lungenkrebs haben wir dir auf dieser Seite zusammengestellt.

Chemo-Immuntherapie ist, wie der Name vermuten lässt, eine Kombination aus Chemotherapie und Immuntherapie. Einige Chemotherapeutika verursachen einen sogenannten immunogenen Zelltod (ICD). Bei einem ICD werden bestimmte Signalstoffe aus den absterbenden Tumorzellen freigesetzt, die das Immunsystem aktivieren und in höhere Alarmbereitschaft versetzen. Die Immuntherapie nutzt die gesteigerte Aktivität des Immunsystems, um den Tumor angreifbar zu machen. Beim NSCLC kann die Chemo-Immuntherapie ab Stadium II verwendet werden, beim SCLC im fortgeschrittenen Stadium (ED, extended disease). Mehr Informationen zum Ablauf einer Immuntherapie findest du hier.

Bei der Radioimmuntherapie handelt es sich um eine Kombination aus Bestrahlung (=Radiotherapie) und Immuntherapie. Während die Bestrahlung bei Lungenkrebs direkt auf die Lunge gerichtet wird und so lokal Krebszellen zerstört, unterstützt die Immuntherapie das körpereigene Immunsystem dabei, Krebszellen zu erkennen und zu bekämpfen. Diese Kombinationstherapie wird vorwiegend bei nicht operablem, lokal fortgeschrittenem NSCLC im Stadium III eingesetzt. Weitere Informationen zur Immuntherapie erhältst du hier.

Bestimmte zielgerichtete Therapien können mit einer Chemotherapie kombiniert werden. Diese Kombinationstherapie wird hauptsächlich im NSCLC im lokal fortgeschrittenen Stadium III oder im Stadium IV mit Metastasen eingesetzt. Der Gedanke hinter der Kombination ist, dass Tumorzellen sehr unterschiedlich sein können. Einige von ihnen sprechen nicht von Beginn an auf zielgerichtete Therapien an. Mit der zusätzlichen Chemotherapie sollen alle Tumorzellen bereits von Anfang an so stark wie möglich bekämpft werden. Dadurch sollen auch mögliche Resistenzen gegen die zielgerichtete Therapie so lange wie möglich verzögert oder sogar verhindert werden. Auf dieser Informationsseite kannst du mehr über zielgerichtete Therapien erfahren.

Immuncheckpoint-Hemmer umfassen verschiedene Wirkmechanismen. Sie können bspw. Immunzellen helfen, Tumorzellen zu erkennen und sie zu attackieren. Oder sie aktivieren das Immunsystem und fördern die Vermehrung der Immunzellen. Eine Kombination von verschiedenen Immuncheckpoint-Hemmern vereint diese Effekte. In Deutschland sind doppelte Immuntherapien bislang nur in Kombination mit einer Chemotherapie für die Behandlung des metastasierten NSCLCs im Stadium IV zugelassen.

Sofern ein Tumor die nötigen Biomarker hat, können auch zielgerichtete Therapien miteinander kombiniert werden. Ähnlich wie bei der Kombination aus zielgerichteter Therapie und Immuntherapie kann so die Wirkungsdauer verlängert und das Aufkommen einer Resistenz verzögert werden . Mehr zu zielgerichteten Therapien findest du hier.

Bislang sind ADCs in Deutschland nur für die Zweitlinienbehandlung von fortgeschrittenem metastasiertem NSCLC nach einer abgeschlossenen Chemo-, Immun- oder Kombinationstherapie zugelassen. Eine Zweitlinienbehandlung ist die Therapie, die gestartet wird, wenn nach Abschluss der ersten Behandlung nicht der gewünschte Erfolg erzielt wurde oder wenn der Krebs nach einer erfolgreichen ersten Behandlung irgendwann wieder zurückkommt (Rezidiv). Die aktuelle Forschung beschäftigt sich auch mit der Möglichkeit, ADCs und Immuncheckpoint-Inhibitoren direkt zu kombinieren.

Bislang ist die gleichzeitige Kombination einer zielgerichteten Therapie mit Tyrosinkinase-Hemmern (TKI) und einer Immuntherapie bei Lungenkrebs nicht zugelassen. Mehr zu TKI haben wir ebenfalls für dich zusammengestellt.

 

Aktuell werden auch weitere Studien zur Kombination von TKI und Immuntherapie durchgeführt.

Deutsches Krebsforschungszentrum in der Helmholtz-Gemeinschaft, Krebsinformationsdienst, Lungenkrebs: Behandlungsmöglichkeiten und Nebenwirkungen, Stand: März 2023, URL: https://www.krebsinformationsdienst.de/tumorarten/lungenkrebs/behandlung-uebersicht.php (zuletzt aufgerufen: Mai 2025).

 

Deutsches Krebsforschungszentrum, Chemotherapie-Medikamente: Wirkstoffe und Nebenwirkungen, Stand: Januar 2019, URL: https://www.krebsinformationsdienst.de/behandlung/chemotherapie/nebenwirkungen.php (zuletzt aufgerufen: Mai 2025).

 

Deutsche Lungenkrebsgesellschaft, Behandlungsmethoden bei Lungenkrebs im Einzelnen, Stand: Juli 2018, URL: https://www.krebsgesellschaft.de/onko-internetportal/basis-informationen-krebs/krebsarten/definition/behandlungsmethoden-bei-lungenkrebs.html (zuletzt aufgerufen: Mai 2025).

 

Deutsches Krebsinformationszentrum. Lungenkrebs: Behandlungsmöglichkeiten und Nebenwirkungen. (2023, März 9) URL: https://www.krebsinformationsdienst.de/tumorarten/lungenkrebs/behandlung-uebersicht.php (zuletzt aufgerufen: Mai 2025).

 

Zur Chemotherapie + zielgerichteten Therapie: Planchard D et al. Osimertinib with or without Chemotherapy in EGFR-Mutated Advanced NSCLC. New England Journal of Medicine 2023; 389:1935-48

 

Griesinger F et al. Onkopedia Leitlinien. Lungenkarzinom, nicht-kleinzellig (NSCLC), Stand: April 2025. URL: https://www.onkopedia.com/de/onkopedia/guidelines/lungenkarzinom-nicht-kleinzellig-nsclc/@@guideline/html/index.html (zuletzt aufgerufen: Mai 2025).

 

Gelbe Liste, Taxane, Stand: Oktober 2023, URL: https://www.gelbe-liste.de/wirkstoffgruppen/taxane#Wirkung (zuletzt aufgerufen: Mai 2025).

 

Deutsche Krebshilfe, S3-Leitlinie Prävention, Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Lungenkarzinoms, Stand: April 2025, URL: https://www.leitlinienprogramm-onkologie.de/fileadmin/user_upload/Downloads/Leitlinien/Lungenkarzinom/Version_4/LL_Lungenkarzinom_Langversion_4.0.pdf (zuletzt aufgerufen: Mai 2025).

 

Gelbe Liste, Gemcitabin, Stand: September 2019, URL: https://www.gelbe-liste.de/wirkstoffe/Gemcitabin_26090#Wirkmechanismus (zuletzt aufgerufen: Mai 2025).

 

Gelbe Liste, Pemetrexed, Stand: Juni 2023, URL: https://www.gelbe-liste.de/wirkstoffe/Pemetrexed_48509#Wirkmechanismus (zuletzt aufgerufen: Mai 2025).

 

Wolf M et al. Onkopedia Leitlinien. Lungenkarzinom, kleinzellig (SCLC), Stand: Januar 2023, URL: https://www.onkopedia.com/de/onkopedia/guidelines/lungenkarzinom-kleinzellig-sclc/@@guideline/html/index.html (zuletzt aufgerufen: Mai 2025).

 

Gelbe Liste, Etoposid, Stand: März 2017, URL: https://www.gelbe-liste.de/wirkstoffe/Etoposid_738 (zuletzt aufgerufen: Mai 2025).

 

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Gelbe Liste, Checkpoint-Inhibitoren, Stand: Oktober 2023, URL: https://www.gelbe-liste.de/wirkstoffgruppen/checkpoint-inhibitoren (zuletzt aufgerufen: Mai 2025).

 

Batson S, et al., Onco Targets Ther. 2017; 10: 2473–2482.

 

Wei Q, et al., J Hematol Oncol 17, 1 (2024).

 

Coleman N, et al., npj Precis. Onc. 7, 5 (2023).

 

Drago JZ, et al., Nat Rev Clin Oncol 18, 327–344 (2021).

 

Pettrazuolo A, et al., Oncoimmunology. 2022; 11(1): 2077898.

 

Petros C, Dtsch Arztebl 2023; 120(9): [13].

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